Vom Ersatzteil zum Nebenerwerb
Ich wollte eigentlich nur ein paar Ersatzteile drucken. So hat das angefangen. Kein Businessplan, kein großer Plan "ich gründe jetzt ein Unternehmen", sondern ein 3D-Drucker, der erst für mich selbst Dinge reparieren sollte. Dass daraus Subthiel wurde, war ehrlich gesagt nicht geplant. Es ist einfach passiert.
Am Anfang stand eine kaputte Halterung im Badezimmer, die der Hersteller nicht mehr als Ersatzteil verkauft hat. Ich habe sie nachgebaut, weil Wegwerfen mir absurd vorkam für ein Teil, das eigentlich nur aus ein paar Gramm Kunststoff besteht. Von da an war der Drucker nicht mehr nur ein Werkzeug für den Einzelfall, sondern etwas, das ständig lief.
Vom Ersatzteil zur Nachfrage
Der Kipppunkt war ein Satz, den ich so oft gehört habe, dass ich ihn heute fast automatisch erwarte: "Kannst du mir davon zwei machen?" Aus zwei wurden irgendwann zwanzig. Und genau an der Stelle merkt man, dass ein Hobby aufhört, ein Hobby zu sein. Nicht, weil es mehr Spaß macht oder weniger, sondern weil plötzlich jemand anderes sich darauf verlässt, dass das, was du machst, reproduzierbar ist. Ein einzelnes schönes Druckteil für dich selbst ist etwas anderes als zwanzig identische Teile, die pünktlich bei zwanzig verschiedenen Leuten ankommen sollen.
Aus dieser Erfahrung ist Subthiel entstanden: ein Einzelunternehmen aus NRW, gegründet ohne den klassischen Businessplan, den man eigentlich schreiben sollte. Der Shop ist Mitte Juli 2026 online gegangen. Zwischen der ersten Anfrage und dem Launch lag vor allem eins: ausprobieren, lernen, wieder verwerfen.
Zwei Standbeine, eine Werkbank
Subthiel steht bei mir auf zwei Beinen: 3D-Druck und Softwareentwicklung, vor allem rund um ESP32 und ESPHome. Das klingt erstmal nach zwei getrennten Welten, ist es aber nicht wirklich. Beides ist am Ende Problemlösen mit Werkzeug, einmal mit Filament, einmal mit Code. Gedruckt wird bei mir auf einem Bambu Lab H2S mit drei AMS Pro, also 13 Filamentplätzen gleichzeitig verfügbar. Das ist kein Zufall, sondern Notwendigkeit: Viele meiner Motive sind mehrfarbig, und ohne genug Filamentslots würde ich ständig manuell wechseln, statt drucken zu lassen.
Foto: Jakub Żerdzicki auf Unsplash
Wie die Einkaufswagen-Chips entstanden sind
Die Chips, für die Subthiel inzwischen am bekanntesten ist, waren keine Solo-Idee von mir am Schreibtisch. Sie sind aus einer Zusammenarbeit entstanden. Die Reihe "Patches gegen Rechts" ist genau in diesem Zusammenspiel gewachsen, nicht am grünen Tisch geplant. Ein Einkaufswagen-Chip hat das Format einer 1-Euro-Münze, ist mehrfarbig, das Motiv ist direkt als Geometrie gedruckt statt nur aufgedruckt, und auf der Rückseite sitzt ein QR-Code. Klein, aber technisch kein Wegwerfteil.
Bei Kleinserien komme ich bis zu 500 Stück, ohne dass die Qualität leidet. Das meiste Tagesgeschäft sind aber nicht die großen Serien, sondern Ersatzteile. Das ist das unspektakulärste, aber verlässlichste Geschäft, das ich habe, und ehrlich gesagt auch das, mit dem alles angefangen hat.
Foto: Jakub Żerdzicki auf Unsplash
Was mich wirklich überrascht hat
Der Druck selbst war nie das Problem. Überraschend aufwändig war alles drumherum: Impressum, AGB, Widerrufsbelehrung. Dinge, über die man als Hobbydrucker nie eine Sekunde nachdenkt, die als Gewerbe aber plötzlich den Großteil der Zeit fressen. Shop-Launch heißt außerdem nicht automatisch Kundengewinnung. Sichtbarkeit ist eine eigene Arbeit, die nach dem eigentlichen "Produkt fertig" erst richtig losgeht.
Und dann gibt es noch diesen einen Unterschied zur Softwareentwicklung, den ich so nicht erwartet hatte: Ein gemergter Pull Request ist ein gutes Gefühl, aber abstrakt. Wenn ich sehe, wie jemand seinen gedruckten Chip tatsächlich an den Einkaufswagen klickt, ist das etwas anderes. Greifbarer. Ehrlicher, irgendwie.
Warum ich es trotzdem mache
Subthiel ist kein Weg zum schnellen Geld, und das war auch nie der Plan. Es ist der Versuch, Dinge zu bauen, die reproduzierbar, brauchbar und manchmal auch bedeutsam sind, ob das ein Ersatzteil ist, das sonst im Müll gelandet wäre, oder ein Chip mit Haltung. Zwischen beidem liegt für mich kein großer Unterschied: Es geht darum, etwas Fertiges in die Hand zu bekommen, das vorher nicht existiert hat.
Wenn ich heute zurückblicke, war der Weg von der kaputten Badezimmerhalterung bis zum eigenen Shop weder geradlinig noch besonders geplant. Aber genau das macht ihn für mich glaubwürdig: Subthiel ist nicht aus einer Marktanalyse entstanden, sondern aus echtem Bedarf, echter Nachfrage und der Bereitschaft, aus einem Hobby etwas Verlässliches zu machen.






